drop out: airplane at the start in the sky

Heute breche ich mein Studium ab!

Das Studium abbrechen – diesen Gedanken hatte ich ziemlich oft im letzten Jahr. Verständlich vielleicht, wenn du betrachtest, dass ich einen Freund auf der anderen Seite der Welt habe. Jedoch möchte ich auch nicht diese eine Person sein, über die ihre Freunde die Augen verdrehen und es der rosa-roten Brille zuschieben. Aber was ist dran? Was könnte mir passieren, wenn ich es doch tue?!

Wahrscheinlich gar nix!

Ich könnte mir vorstellen, dass es keine großen Konsequenzen für mich hat. Berufsausbildung hab ich und außerdem besitze ich vielfätige Fähigkeiten, die mich das Leben meistern lassen. Zum Beispiel grenzt meine Fähigkeit, Probleme zu lösen, schon eher an eine Superkraft als an eine labidare Fähigkeit. Also was kann mir passieren? Wieso halte ich diesem Gedanken stand und bringe das Studium zu Ende, obwohl ich unglücklich bin?

Quälen für die Sicherheit?

Uns wird tagein tagaus beigebracht, dass ein Abschluss wichtig ist: “Damit bekommst du eher einen Job.” Ach ja? Ist das sowas wie eine Garantie? Das bezweifel ich doch stark! Erzieher*innen und Sozialarbeiter*innen haben hier in Deutschland auf alle Fälle gute Jobaussichten. Allerdings gibt’s sogar Quereinsteiger oder Ehrenamtler*innen, die unsere Aufgaben übernehmen. Da fängt man doch glatt an, sich zu fragen, was mein Abschluss denn noch Wert ist. Betrachten wir doch mal andere akademische Berufe. Wie sieht’s denn mit den unzähligen Akademikern aus, die nach ihrem Studium als erstes den Hartz-IV-Antrag aufzufüllen anstatt im Arbeitsleben zu starten? Bei einem mysteriösen Abschluss in “Advanced Computational and Civil Engineering Structural Studies” der TU Dresden vielleicht verständlich, weil man nicht einmal weiß, was sich dahinter verbirgt.  

Studium abbrechen: Ausschnitt einer Computer-Tastatur, bei der auf der Enter-Taste ein "Find Job" hinzugefügt wurde
Studium abbrechen oder abschließen – die Jobaussichten sind oft gleich!

Wenn ich neue Leute kennenlerne, kommt ja oft das Studium zur Sprache. Inzwischen muss ich immer öfter nachfragen, was die Leute damit dann anfangen können. Die Studiengänge sind so spezialisiert oder nichts sagend, dass ich mir gute Jobaussichten schlecht vorstellen kann. Auf der anderen Seite sitzen auch viele Juristen, Psychologen u.a. zu Hause. So frage ich mich: Was hat man denn heute noch für eine Sicherheit, wenn man seinen Abschluss macht?!  

Quälen für den Stolz?

Hat das Ganze damit zu tun, um sagen zu können, dass man eine Sache abgeschlossen hat? Das wäre auf jeden Fall etwas, das auf mich zutrifft. Ich habe meine Erzieher*innen-Ausbildung erst abgeschlossen, bevor ich das Studium begonnen habe. Ich hätte mich auch zwischendurch bewerben können, aber ich wollte erst einmal eine Sache abschließen – eine Sache sicher haben.  

Studium nicht kurz vor Ende abbrechen: "Don't give up!" mit Kreide auf eine Tafel geschrieben
Endspurt angesagt!

Auch wenn das vorrangig mit der Sicherheit zu tun hat, bin ich trotzdem stolz, dass ich das abgeschlossen habe. Denn ein Abschluss bedeutet, dass man einen Schritt weiter ist und man jeder Zeit als Fachkraft arbeiten könnte. Allerdings heißt Erzieher*in im Volksmund noch zu oft Kindergärtner*in. Das hat mich genervt und war mir schlichtweg nicht genug. Daher hab ich das Studium an die Ausbildung direkt angeschlossen.  

Quälen für den Status?

“Ich bin Studentin.” oder “Ich habe einen Bachelorabschluss in…” hören sich einfach besser an. Genauso zeigt uns das unsere Gesellschaft: „Die Tore zur Arbeitswelt stehen dir mit einem akademischen Abschluss offen, Kind!“ Unsere deutsche Gesellschaft gibt halt Abschlüssen einen hohen Stellenwert. So tut’s auch meine nähere Umwelt. Ich könnte mir kaum vorstellen, einen Lebenslauf ohne akademische Komponente zu haben. Die Relevanz eines Studiums ist tief in meinem Gehirn verwurzelt.  

Studium abbrechen oder abschließen? Offene Bücher aufeinander gestapelt
Gesellschaft, Familie oder eigene Motivation – warum denn extra studieren?

Von der Erzieherin zur Millionärin!

Kann man also auch erfolgreich sein ohne einen akademischen Abschluss in der Tasche zu haben? Ich kann’s ehrlich gesagt noch immer nicht beantworten. Zugeben muss ich, dass mein Studium mich auf eine bestimmte Weise reifen und wachsen lassen hat. Das beziehe ich nicht einmal auf das Wissen, sondern auf die persönliche Entwicklung. Denn vor 7 Jahren hätte ich den Schritt, den ich im Sommer vorhabe, bestimmt nicht gemacht. Wow, SIEBEN Jahre Ausbildung und Studium – so viel Zeit! Allerdings ärgere ich mich jetzt ein wenig, welches Studienfach ich gewählt habe. Vielleicht hätte mir etwas mit Informatik oder Management mehr gebracht. Obwohl sogar Conni von Planet Backpack schon angemerkt hat, dass sie nach dem Abschluss durch “Eigenstudium” mehr gelernt hat. Im Endeffekt hat sie sich den Traum der 4-Stunden-Arbeitswoche erfüllt und schlürft Kokosnüsse auf Bali – oder woanders auf der Welt.

Was tun? Wela ka hao!?

Mein Lebensmotto, dass ich seit meinem Hawai’i-Aufenthalt in noch schönere Worte verpacken konnte. Wela ka hao meint wörtlich “strike the hot iron”, was in Verbindung zu dem Sprichwort “Schmiede das Eisen solange es heiß ist!” steht. Also im Endeffekt sind’s schönere Worte für Carpe Diem. Da mir der Spruch so gut gefallen hat, habe ich ihn mir direkt tättowieren lassen.  

Studium abbrechen: Tattoo auf dem Unterarm "Wela ka hao"
Lebensmotto immer sichtbar!

Ich befinde mich leider öfter als gewünscht in Situationen, in denen ich nicht sofort agiere – es auf später verschiebe. Das nervt mich! Als tägliche Erinnerung dient nun das Tattoo auf meinem Arm. Ich weiß ganz genau, wie vergänglich das Leben sein kann. Das hab ich an dem viel zu kurzen Leben meines Vaters gesehen – nein, es soll jetzt nicht in einer dramatischen RTL-Story enden. Ich habe allerdings etwas Entscheidenes durch ihn lernen dürfen:

Verschiebe deine wichtigsten Träume nicht in das hohe Alter bzw. auf zu spät!

Daraus entstand meine ganze Motivation bzw. mein Antrieb Dinge direkt anzupacken. Ich wollte ein Auslandssemester machen: so habe ich nebenbei gearbeitet, habe gespart und bekam auch Hilfe von meiner Familie. Das Gleiche zählt für meine Reisen. Ich arbeite nur, um mir das Reisen zu finanzieren – das is ne Frage der Prioritäten. Ich gehe nicht viel shoppen, gehe nicht jeden Tag essen, gehe auch nicht jedes Wochenende in einen Club. Alles nur, um schneller meine Wunschliste abzuarbeiten. Allerdings konnte ich meine Reiselust nicht nur durch einzelne Reisen stillen, weswegen ich auf die Idee des digitalen Nomadentums kam. Wenn ich nun also meinem Lebensmotto folgen würde, sollte ich mein Studium abbrechen und für morgen einen beliebigen Flug buchen?  

Studium abbrechen und im Flieger sitzen: Flugzeug beim Start am Himmel, Wolken im Hintergrund
Der Traum von voller Spontaneität!

Morgen schon im Flieger sitzen und das Studium abbrechen?

Nein! Natürlich werde ich das nicht tun! Es sind nur noch 5 Monate von 4 Jahren übrig. Das wäre lächerlich, das jetzt abbrechen zu wollen. Außerdem fehlt mir dazu schlicht und einfach der Mut. Meine Familie würde mich vermutlich ausstoßen 😀 Genauso wüsste ich, dass meine Schwester sich extra krank melden würde, um mich täglich zur Uni zu bringen. Trotzdem finde ich das nicht ganz befriedigend, mich in die Uni oder ins Praktikum zu schleppen, wenn ich gar keine Lust habe und nicht mehr glücklich bin. Viel lieber würde ich an meinen Projekten arbeiten und mehr Zeit darin investieren, alles bis zum Sommer ins Rollen zu bringen. Aber wie auch schon mein Vater damals gesagt hat: “Manchmal muss man da durch als Lurch, wenn man Frosch werden will!” Man muss nicht immer gleich alles abbrechen, weil man gerade einen besseren Wunsch im Kopf hat. Manchmal brauchen Ideen ihre Zeit, um sich zu entwickeln. Dementsprechend sollte man auch warten, wenn man den Wunsch verspürt das Studium abbrechen zu wollen. Wenn sich der Wunsch doch verfestigt, ist vielleicht der Abschluss schon näher und die Entscheidung erübrigt sich – wie bei mir 😉  

Jetzt bin ich ganz gespannt, was du dazu zu sagen hast! Hast du auch solche Gedanken? Würdest du am liebsten auch alles abbrechen und in die Ferne? Was hält dich davon ab? Oder was schreckt dich daran sogar ab?

Deine

Signature of Nate the Nomad

 

Wela ka hao – Lebe ein zügelloses Leben!

Du fragst dich, wer hier schreibt?

Abenteuerin, digitale Nomadin und Freiheits-Suchti – dafür steht Nate the Nomad!

Wohnung geündigt und Hab & Gut verkauft. Bepackt mit einem großen Rucksack bin ich nun auf der Suche nach dem schönsten Fleckchen auf dieser Erde!

Ein freies, ungezwungenes und ortsunabhängiges Leben – Das ist mein Traum und mein Ziel!

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Kommentare (2)

Oh ja, diese Gedanken kenne ich nur zu gut. Besonders den Satz: Was willst du denn später mal damit machen? Ich sehe es inzwischen so: Ich habe eine Ausbildung gemacht, weil ich das wollte. Und ich studiere, weil ich das auch schon immer tun wollte. Ich tue es also für mich, weil ich mir selber beweisen will, dass ich das kann. Und zwar nicht nur mit 4,0ern, sondern richtig gut. Inzwischen hat die Vernunft mich zwar auch eingeholt (werde an meinen M.A. einen M.E. anschließen), aber das hält mich trotzdem nicht davon ab, zu sagen: Es war das Richtige Studium für mich.

Herzlich,
Anna

Vielen Dank für deine Gedanken zu dem Thema, Anna!
Wow, das müssen ja auch viele Jahre Ausbildung und Studium sein! Ich könnte mir einen Master nicht mehr vorstellen. Aber ich freue mich, dass es noch Menschen gibt, die wie du studieren und nicht nur „um Student zu sein“.

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